Wagner

Stellmacher (im Norden); Achsmacher; Radmaker (niederdt.) (umgangssprachlich); Rädermacher; Radmacher

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Wag|ner 〈m. 3〉 = Stellmacher (1) [<ahd. waganari;Wagen]

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Wag|ner, der; -s, - [mhd. wagener, ahd. waginari, zu Wagen] (südd., österr., schweiz.):
Stellmacher.

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Wagner,
 
1) Adolph Heinrich Gotthilf, Volkswirtschaftler und Finanzwissenschaftler, * Erlangen 25. 3. 1835, ✝ Berlin 8. 11. 1917; Professor an der Handelsakademie in Wien (1858-63), in Dorpat (1864-68), Freiburg im Breisgau (1868-70) und ab 1870 in Berlin. 1882-85 war Wagner als Vertreter der Christlich-Sozialen Partei Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, ab 1910 des preußischen Herrenhauses. Wagner, Mitbegründer des Vereins für Socialpolitik und führender Vertreter des Kathedersozialismus, entwickelte ein umfassendes Konzept eines »Staatssocialismus« (u. a. staatliche Kranken-, Invaliden- und Altersversicherung, wirtschaftspolitischer Interventionismus, Schaffung eines »öffentlichen Eigentumssektors« durch Verstaatlichung) und forderte eine Korrektur der Einkommens- und Vermögensverteilung mithilfe der Steuerpolitik (»socialpolitische Steuerfunktion«).
 
Bekannt wurde Wagner durch das von ihm formulierte »Gesetz der wachsenden Ausdehnung der Staatstätigkeit« (wagnersches Gesetz), dem zufolge die Staatstätigkeit nicht nur absolut, sondern auch relativ (im Verhältnis zur gesamten Wirtschaftstätigkeit) zunehme. In der modernen Finanzwissenschaft wird das Gesetz meist als »Gesetz wachsender Staatsausgaben« (beziehungsweise einer wachsenden Staatsausgabenquote) bezeichnet, was auf eine im Hinblick auf die unterschiedliche Ausgabenintensität öffentlicher Tätigkeit nicht unproblematische Gleichsetzung von Staatstätigkeit und öffentlichen Ausgaben hinausläuft. Einmütigkeit besteht darüber, dass das wagnersche Gesetz nicht als allgemein gültige Gesetzmäßigkeit zu verstehen ist, sondern als Aussage über empirisch beobachtbare Regelmäßigkeiten in der Entwicklung der Staatstätigkeit. Als mögliche Ursachen werden u. a. eine hohe Einkommenselastizität der Nachfrage nach (staatlich bereitzustellenden) Leistungen für den »Rechts- und Machtzweck« und den »Cultur- und Wohlfahrtszweck« und die zunehmende Bedeutung der Forderung nach staatlichen Korrekturen der Marktverteilung im Zusammenhang mit dem Übergang zur Demokratie mit allgemeinem Wahlrecht genannt. Viel diskutiert wurde auch der Displacement-Effect. Ob bei langfristiger Betrachtung in den Industriestaaten die tatsächliche Entwicklung dem wagnerschen Gesetz entspricht, ist nicht zuletzt wegen der Problematik des Rückschlusses von beobachteten öffentlichen Ausgaben auf die Staatstätigkeit und des Problems der Bereinigung der Ausgaben um inflationär bedingte Preiseffekte umstritten.
 
Schriften: Beitrag zur Lehre von den Banken (1857); Allgemeine oder theoretische Volkswirtschaftslehre (1876, ab der 3. Auflage 1892-94 unter dem Titel Grundlegung der politischen Oekonomie, 3 Teile); Finanzwissenschaft, 4 Bände (1877-1901); Finanzwissenschaft und Staatssozialismus, in: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, Band 43 (1887).
 
 
M. Heilmann: A. W., ein dt. Nationalökonom im Urteil der Zeit (1980);
 N. Leineweber: Das säkulare Wachstum der Staatsausgaben (1988);
 
The growth of the public sector. Theories and international evidence, hg. v. N. Gemmell (Aldershot 1993).
 
 2) Carl, Maler, * Roßdorf (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) 19. 10. 1796, ✝ Meiningen 10. 2. 1867; wurde nach einem Italienaufenthalt (1822-25) Hofmaler und Galerieinspektor in Meiningen. Wagner malte romantische Gebirgs- und Waldlandschaften; auch Aquarelle.
 
 3) Cosima, * Como 24. 12. 1837, ✝ Bayreuth 1. 4. 1930, Tochter von F. Liszt und Marie Gräfin d'Agoult. Sie war ab 1857 mit Hans von Bülow, ab 1870 mit Richard Wagner verheiratet. Nach dessen Tod übernahm sie die künstlerische und organisatorische Leitung der Bayreuther Festspiele, die sie 1906 offiziell abgab. Ihr Briefwechsel mit H. S. Chamberlain, F. Nietzsche u. a. sowie ihre Tagebücher sind kulturgeschichtliche Dokumente.
 
Ausgaben: Die Tagebücher, herausgegeben von M. Gregor-Dellin u. a., 4 Bände (Neuausgabe 1982); C. Wagner und Ludwig II. von Bayern. Briefe, herausgegeben von M. Schad (1996).
 
 
F. Giroud: C. W. (a. d. Frz., 1998).
 
 4) Elsa, Schauspielerin, * Reval (heute Tallinn) 24. 1. 1881, ✝ Berlin 17. 8. 1975; Mitglied einer Wanderbühne, dann in Heidelberg, Plauen, Hannover (1907-11) sowie in Berlin (1911-21 und 1945-51 Deutsches Theater, 1921-45 Staatstheater, ab 1951 Schiller- und Schloßpark-Theater); auch Filmrollen. Bedeutende Charakterdarstellerin, die v. a. als »komische Alte« Erfolg hatte.
 
 
E. Donat: E. W. (1962).
 
 5) Georg, Geologe, * Künzelsau 26. 7. 1885, ✝ Tübingen 11. 7. 1972; ab 1938 Professor in Tübingen; veröffentlichte v. a. Arbeiten zur Geologie und Geomorphologie Südwestdeutschlands.
 
Werke: Beitrr. zur Flußgeschichte Süddeutschlands (1929); Einführung in die Erd- und Landschaftsgeschichte mit besonderer Berücksichtigung Süddeutschlands, 2 Teile (1931); Rund um Hochifen und Gottesackergebiet (1950); Raumbilder zur Erd- und Landschaftsgeschichte Südwestdeutschlands (1962, mit A. Koch).
 
 6) Heinrich Leopold, Schriftsteller, * Straßburg 19. 2. 1747, ✝ Frankfurt am Main 4. 3. 1779; lernte als Straßburger Student Goethe, J. H. Jung-Stilling sowie J. M. R. Lenz im Kreis von C. G. Salzmann kennen; nach seiner Übersiedlung 1774 nach Frankfurt am Main wurde er zu einem der vehementesten Verfechter des Sturm und Drangs. Gegen die Kritiker von Goethes »Werther« verfasste er anonym in dessen Manier die Farce »Prometheus Deukalion und seine Recensenten« (1775); auch die Satire »Voltaire am Abend seiner Apotheose« (1778) zeigt den stilistischen Einfluss Goethes. Neben seinen dramentheoretischen Beiträgen beziehungsweise Übersetzungen haben die Bühnenstücke als Beispiele der Sturm-und-Drang-Dramatik ihre historische Bedeutung bewahrt: »Die Reue nach der That« (1775) und v. a. »Die Kindermörderin« (1776), eine sozialkritische Tragödie, in der mit naturalistischen Stilmitteln ein Gretchen-Schicksal vorgestellt wird; Goethe betrachtete die Fabel als Plagiat seiner Motivgestaltung im »Faust«. In der Umarbeitung des Stückes unter dem Titel »Evchen Humbrecht, oder Ihr Mütter merkts Euch!« (1779) ist der Ausgang glücklich. Der Roman »Leben und Tod Sebastian Silligs« (1776) blieb Fragment.
 
Ausgabe: Gesammelte Werke, herausgegeben von L. Hirschberg (1923, nur Band 1 erschienen).
 
 7) Hermann, Geograph, * Erlangen 23. 6. 1840, ✝ Bad Wildungen 18. 6. 1929; 1864-76 im Schuldienst, ab 1876 Professor in Königsberg, ab 1880 in Göttingen. Wagner veröffentlichte mit E. Behm und A. Supan »Die Bevölkerung der Erde,. ..« (9 Bände, 1872-93), seit 1888 Mitarbeiter des »Methodischen Schul-Atlas« von E. von Sydow; ab 1877 gab er das von H. Guthe begründete »Lehrbuch der Geographie« heraus (5 Teile, 41877-79, 101920-23, 2 Bände), ab 1880 auch das »Geographische Jahrbuch«.
 
 8) Johann Ernst, Schriftsteller, * Roßdorf (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) 2. 2. 1769, ✝ Meiningen 25. 2. 1812; wurde 1805 durch Jean Pauls Vermittlung Kabinettssekretär des Herzogs Bernhard II. von Meiningen (* 1800, ✝ 1882); geistreicher, formgewandter Erzähler und Dramatiker, der v. a. mit den Romanen »Willibalds Ansichten des Lebens« (2 Bände, 1805) und »Die reisenden Maler« (2 Bände, 1806) beträchtlichen Erfolg errang.
 
 9) Johann Martin von, Bildhauer und Kunstsammler, * Würzburg 24. 6. 1777, ✝ Rom 8. 8. 1858; lebte ab 1804 v. a. in Rom. Wagner schuf u. a. den Germanenfries der Walhalla in Donaustauf (1830-37) und die Plastiken des Münchener Siegestores (1843-52). Für die Glyptothek in München erwarb er u. a. die Ägineten (1812) und den Barberinischen Faun. Seine Sammlung antiker Kunst, Handzeichnungen und Stiche vermachte er der Universität Würzburg (Martin-von-Wagner-Museum in der Residenz).
 
 10) Johann Peter Alexander, Bildhauer, getauft Obertheres (heute zu Theres, Landkreis Hassberge) 26. 2. 1730, ✝ Würzburg 7. 1. 1809; trat 1753 in Würzburg in die Werkstatt des Hofbildhauers J. W. van der Auwera ein. Von hier aus versorgte seine später gegründete eigene Werkstatt ganz Unterfranken mit kirchlichen Bildwerken, die anfangs noch im Stil des Rokoko, später unter dem Einfluss der Schule G. R. Donners in der antikisierenden Art des Frühklassizismus gehalten waren.
 
Werke: Vierröhrenbrunnen (1763-65, Würzburg; mit L. van der Auwera); Kreuzwegstationen zum Käppele (begonnen 1767, 1775 weitergeführt, Würzburg); Figuren im Schloss Veitshöchheim (1771-75); Figuren im Treppenhaus der Residenz (bis 1775, Würzburg); Figuren im Hofgarten der Residenz (bis 1779, Würzburg); Grabmal des Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim (1780, Würzburg, Dom); Ausstattung der Klosterkirche (1785-91, Ebrach).
 
 
H.-P. Trenschel: Der Würzburger Hofbildhauer J. P. W., Ausst.-Kat. (1980).
 
 11) Karl Willy, Nachrichtentechniker, * Friedrichsdorf 22. 2. 1883, ✝ ebenda 4. 9. 1953; wirkte u. a. 1913-18 an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) und ab 1927 als Professor für Schwingungslehre an der TH Berlin. Wagner untersuchte elektromagnetische Wellen, verfasste wichtige Arbeiten über die Einschwingvorgänge, stellte 1913 eine Theorie der unvollkommenen Dielektrika auf und befasste sich mit dem Hochfrequenzvielfachtelegrafen und -telefon.
 
Werke: Einführung in die Lehre von den Schwingungen und Wellen (1947); Elektromagnetische Wellen (1953).
 
 12) Martin, Architekt, * Königsberg (Pr) 5. 11. 1885, ✝ Cambridge (Massachusetts) 28. 5. 1957; war 1926-33 Stadtbaurat von Berlin, wo er mit B. Taut, H. Häring, L. Mies van der Rohe, W. Gropius, H. Scharoun Wohnsiedlungen und mit H. Poelzig die Messeanlagen baute. Nach seiner Emigration war Wagner 1938-50 Professor für Städtebau an der Harvard University.
 
 
L. Scarpa: M. W. u. Berlin (a. d. Ital., 1986);
 
Architekten - M. W., bearb. v. U. Stark (21995, Bibliogr.).
 
 13) Max Leopold, Romanist, * München 17. 9. 1880, ✝ Washington (D. C.) 9. 7. 1962; wurde 1922 Professor in Berlin, 1947 in Coimbra; wegweisende Studien zur sardinischen Sprache sowie zu den romanischen Sondersprachen. Bekannt wurde er auch durch seine vielfältigen etymologischen Untersuchungen.
 
Werke: Historische Lautlehre des Sardischen (1941); La lingua sarda (1951); Historische Wortbildungslehre des Sardischen (1952); Dizionario etimologico sardo, 3 Bände (1960-64).
 
Ausgabe: Sondersprachen der Romania, herausgegeben von H. Kröll, 4 Bände (1990, mit Bibliographie).
 
 14) Moritz, Zoologe und Forschungsreisender, * Bayreuth 3. 10. 1813, ✝ München 31. 5. 1887; bereiste 1836-38 Algerien, 1843-45 Vorderasien, 1852-55 (mit K. Scherzer) Nord- und Mittelamerika, 1858-60 Panama und Ecuador.
 
 
H. Beck: Große Reisende (1971).
 
 15) Otto, österreichischer Architekt, * Penzing (heute zu Wien) 13. 7. 1841, ✝ Wien 11. 4. 1918; studierte an der TH Wien und an der Bauakademie in Berlin. Die Frühwerke (v. a. Mietshäuser in Wien) sind gekennzeichnet durch einen zurückhaltenden Historismus. 1894-1912 war er Professor an der Kunstakademie in Wien. Sein »Nutzstil«, aus Funktion, Konstruktion und Material bestimmte Architektur, machte ihn zum führenden Architekten Österreichs, zu dessen Schülern J. Hoffmann, A. Loos und J. M. Olbrich zählten. Seine Zweckbauten für die Wiener Stadtbahn (1894-1901) bestechen durch die harmonische Verbindung von Eisen und Stein, während das Postsparkassenamt in Wien (1904-06) als Wagners bedeutendster Bau durch die Klarheit der Marmorverkleidung außen und das gläserne Tonnengewölbe innen bahnbrechend geworden ist. Durch seine publizistische Tätigkeit wirkte Wagner weit in das 20. Jahrhundert.
 
Weitere Werke: Synagoge in Budapest (1873-88); Villa Wagner in Wien (1886); Generalregulierungsplan für Wien (1893); Majolikahaus, ebenda (1898-1900); Niederösterreichische Landes-Heil- und Pflegeanstalten und Kirche am Steinhof, ebenda (1904-07); 2. Villa Wagner, ebenda (1912).
 
Schriften: Einige Skizzen, Projecte und ausgeführte Bauten, 4 Bände (1892-1922); Moderne Architektur (1896); Die Großstadt (1911); Die Baukunst unserer Zeit (1913).
 
 
O. A. Graf: O. W., auf 7 Bde. ber. (Wien 1-21900 ff.);
 
Die Kunst des O. W., hg. v. G. Peichl (Wien 1984);
 
O. W. Möbel u. Innenräume, bearb. v. P. Asenbaum u. a. (Salzburg 1984);
 
O. W. u. Wien. Seine Bauten heute, Beitrr. v. M. Sack u. a. (1988);
 G. Kolb: O. W. u. die Wiener Stadtbahn, 2 Tle. (1989);
 
O. W., hg. v. G. Bernabei (a. d. Ital., Zürich 21989);
 R. Trevisiol: O. W. (Rom 1990);
 W. Oechslin: Stilhülse u. Kern. O. W., Adolf Loos u. der evolutionäre Weg zur modernen Architektur (Zürich 1994);
 
Architekten - O. W., bearb. v. D. Hezel (41996, Bibliogr.).
 
 16) Richard, eigentlich Wilhelm Richard Wagner, Komponist, * Leipzig 22. 5. 1813, ✝ Venedig 13. 2. 1883; verbrachte seine Jugendzeit in Dresden und Leipzig, künstlerisch stark beeindruckt durch die Musik W. A. Mozarts, L. van Beethovens und C. M. von Webers, die Dichtungen Shakespeares und E. T. A. Hoffmanns sowie die Darstellung der Titelrolle in Beethovens »Fidelio« durch Wilhelmine Schröder-Devrient. 1831/32 erhielt er gründlichen Kompositionsunterricht durch den Leipziger Thomaskantor Christian Theodor Weinlig (* 1780, ✝ 1842), schrieb einige Instrumentalkompositionen, begann 1833 seine Theatertätigkeit als Chordirektor in Würzburg. Es folgten Anstellungen als Musikdirektor in Bad Lauchstädt, Magdeburg und Königsberg (heute Kaliningrad), wo er 1836 die Schauspielerin Minna Planer (* 1809, ✝ 1866) heiratete, und 1837-39 in Riga. Von dort floh er 1839, stark verschuldet, und kam nach abenteuerlicher Seefahrt über London nach Paris. Hier war er auf kärgliche Einnahmen aus schriftstellerischen Arbeiten und Opernarrangements angewiesen. 1842 erzielte Wagner mit »Rienzi« in Dresden einen ersten großen Opernerfolg. 1843 wurde er dort zum Königlich Sächsischen Hofkapellmeister ernannt und konnte die noch in Paris komponierte Oper »Der fliegende Holländer« sowie 1845 den »Tannhäuser« erstmals aufführen. Ihm standen ein ausgezeichnet besetztes Sängerensemble und eines der leistungsfähigsten deutschen Orchester zur Verfügung. Zu seinen herausragenden Leistungen als Dirigent zählen die Aufführungen der 9. Sinfonie von Beethoven und der »Iphigenie in Aulis« von C. W. Gluck in einer eigenen Bearbeitung.
 
Wegen seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand 1849 wurde Wagner steckbrieflich verfolgt und floh in die Schweiz. Nach einem vergeblichen Versuch, in Paris als Opernkomponist Fuß zu fassen, ließ er sich mit seiner Frau in Zürich nieder und wohnte ab 1857 in einem Haus auf dem Grundstück der Familie Wesendonck. Er verfasste wesentliche ästhetische Schriften und komponierte »Das Rheingold«, »Die Walküre« und zwei Akte der Oper »Siegfried«. Diese Arbeit am Zyklus »Der Ring des Nibelungen« wurde 1857 unterbrochen und erst zwölf Jahre später wieder aufgenommen. Während der Komposition der Oper »Tristan und Isolde« musste Wagner 1858 wegen der Spannungen, die aus seiner Liebe zu Mathilde Wesendonck erwuchsen, Zürich verlassen. Er ging zunächst nach Venedig, hielt sich dann eine Zeit lang in Luzern, Paris und Wien auf (wo eine lange Probenarbeit an »Tristan und Isolde« schließlich doch abgebrochen wurde) und geriet immer mehr in drückendste finanzielle Verhältnisse, bis ihn überraschend 1864 König Ludwig II. von Bayern nach München berief. So konnten in München 1865 »Tristan und Isolde« und 1868 »Die Meistersinger von Nürnberg« uraufgeführt werden. Doch schon 1866 verließ Wagner aufgrund verschiedener Anfeindungen - u. a. aufgrund seiner allzu engen Bindung an den König und einer Polemik gegen Mitglieder des Kabinetts - München und ging nach Tribschen (heute zu Luzern). Dort heiratete er 1870 Cosima von Bülow, eine Tochter seines Freundes F. Liszt, der ihn menschlich und künstlerisch stets unterstützt hatte. In diese Zeit fallen die Vollendung der »Meistersinger«, die Wiederaufnahme der Arbeit am »Ring« und die Abfassung weiterer theoretischer Schriften, ferner die intensive freundschaftliche Begegnung mit dem damals in Basel lehrenden F. Nietzsche. 1872 übersiedelte Wagner mit seiner Frau und den drei Kindern Isolde (* 1865, ✝ 1919), Eva (* 1867, ✝ 1942) und Siegfried nach Bayreuth, wo am 22. 5. der Grundstein für das Festspielhaus gelegt wurde. 1876 fanden die ersten Festspiele mit dem »Ring des Nibelungen« unter der Leitung von H. Richter statt. 1882 folgten die zweiten Festspiele mit 16 Aufführungen des »Parsifal« unter der Leitung von H. Levi, die im Unterschied zu denen des Jahres 1876 auch finanziell erfolgreich waren. Anschließend reiste Wagner, der sich aus gesundheitlichen Gründen schon in den Jahren zuvor häufiger in Italien aufgehalten hatte, nach Venedig. Dort erlag er einem chronischen Herzleiden.
 
Wagner ist eine der bedeutendsten Künstlergestalten des 19. Jahrhunderts. Seine Bühnenwerke, deren Komposition, Aufführung und theoretische Grundlegung sein Leben fast ausschließlich erfüllten, haben nicht nur die Geschichte der Oper zu seiner Zeit und weit darüber hinaus bis zu R. Strauss, C. Debussy und A. Berg wesentlich geprägt, sondern auch in der Literatur und Philosophie der Folgezeit deutliche Spuren hinterlassen (Nietzsche, T. Mann, E. Bloch, T. W. Adorno). Sein Kompositionsstil entwickelte sich kontinuierlich, v. a. in den Bereichen Melodik, Harmonik, Instrumentation, (leit-)motivische Strukturierung und Formdisposition, zu immer komplexeren Gestaltungen. Seine Musik, seine ästhetischen Ideen und sein Selbstverständnis als Künstler gewannen Einfluss auf Zeitgenossen und Nachfolger (A. Bruckner, H. Wolf, G. Mahler, H. Pfitzner) bis hinein in die Phase des Umbruchs zur Neuen Musik (A. Schönberg) und sind als Prototyp romantischer Kunstimagination noch in scharf formulierten Gegenpositionen aus späterer Zeit (Debussy, I. F. Strawinsky) als Kontrast und Hintergrund gegenwärtig.
 
Wagners Opernschaffen lässt sich in drei Perioden gliedern. In der ersten Periode übernahm er Formen und Gattungsmerkmale, die er bei seinen Zeitgenossen vorfand. Sein erstes Bühnenwerk, »Die Feen« (1834, nach C. Gozzi), ist eine romantische Oper etwa im Stil H. Marschners, die zweite, »Das Liebesverbot« (1836, nach Shakespeares »Maß für Maß«), eine halb buffoneske, halb revolutionäre Adaption italienischer und französischer Vorbilder. Beide Opern - die Texte schrieb Wagner, wie in allen seinen Bühnenwerken, selbst - galten ihm später allenfalls als Vorstufen und frühe Versuche. Dagegen zeigen sich in »Rienzi« (1840, nach E. Bulwer-Lytton) bereits deutliche Stilmerkmale der Reifezeit, auch wenn Anlage und Habitus noch an die französische Grand Opéra anknüpfen.
 
Die zweite Periode beginnt mit der in Paris entstandenen, in Dresden uraufgeführten Oper »Der fliegende Holländer« (1841). Wesentliche Elemente des späteren Schaffens treten schon hier bestimmend hervor: die stoffliche Grundlage der Sage, die ins Große und Dämonische tendierenden Figuren, die Idee der Erlösung durch eine über den Tod hinausreichende Liebe, ein dramatisch inspiriertes Gesangspathos, eine expressive Orchestersprache, die durch differenzierte Klangfarben und beziehungsreiche Motivverknüpfung in die Handlung integriert ist, und ein über Weber und Marschner hinausgehendes Bestreben, die traditionelle Nummernoper durch große, organisch verbundene Szenenbildungen zu überwinden. Im »Tannhäuser« (1845), dessen Sujet einer romantischen Sicht des deutschen Mittelalters entspringt, wird die Erlösungsidee antithetisch in die Spannung zwischen sinnlicher Verstrickung und reiner, frommer Liebe eingebunden. Kompositorisch verstärkt sich die Tendenz zu großräumiger Formbildung, spezifischer Klangcharakterisierung und individuellem Sprachmelos (etwa in der »Rom-Erzählung«). »Lohengrin« (1848), das letzte Werk dieser romantischen Schaffensperiode, greift ein Element der Gralssage auf und verbindet die Erlösungsidee mit dem Motiv der vertrauensvollen, fraglos unbedingten Hingabe und Liebe. Die weitgehend durchkomponierte Oper bildet eine unmittelbare Vorstufe zu den Musikdramen der dritten Schaffensperiode.
 
Es folgt eine Art schöpferischer Zäsur, die erste Zeit des Züricher Exils, in der Wagner, v. a. in der Schrift »Oper und Drama« (1851), ausgehend von einer Kritik des zeitgenössischen Opernwesens, seine Idee des Musikdramas kunsttheoretisch entwickelt. Er propagiert es (in Anlehnung an Gedanken der literarischen Romantik) als ein Gesamtkunstwerk, in dem die Einzelkünste, insbesondere Dichtung und Musik, sich gegenseitig befruchtend, zu einer übergreifenden Ganzheit verschmelzen. Stabreim und freie Metrik auf der einen Seite und eine nicht mehr an vorgegebenen Strukturen orientierte Melodik auf der anderen verbinden sich zur »dichterisch-musikalischen Periode«, die in freiem, prosaähnlichem Fluss nur der psychologisch-szenischen Situation verpflichtet ist. Der Gesang meidet Formmodelle wie Rezitativ und Arie, er wird zur dramatisch inspirierten »unendlichen Melodie«, getragen von einer tiefsinnig ausdeutenden, harmonisch differenzierten Textur des Orchesterapparates. Ein wesentliches, Form und Sinn konstituierendes Mittel ist hierbei das »Leitmotiv« - der Begriff wurde von H. P. Freiherr von Wolzogen 1876 in die Wagner-Literatur eingebracht, Wagner selbst benutzte Ausdrücke wie »Grundthema« oder »Ahnungsmotiv« -, das in Verbindung mit bestimmten Personen, Gegenständen, Gefühlen oder Handlungskonstellationen auftritt und durch Wiederholung, vielfache Veränderung, neue Beleuchtung und Verknüpfung mit anderen Motiven zu einem Medium feinster Beziehungen und überraschendster Deutungen des dramatischen Geschehens wird.
 
Mit der Arbeit am Zyklus »Der Ring des Nibelungen«, der diese Gedanken musikalisch realisiert, beginnt die dritte Schaffensperiode. Den Stoff entnahm Wagner der germanischen Götter- und Heldensage, doch werden deren Gestalten und Motive unter dem Einfluss anarchistisch-utopischer (P. J. Proudhon), revolutionärer (M. A. Bakunin), atheistischer (L. Feuerbach) und pessimistischer Zeitströmungen (A. Schopenhauer) aktualisiert und symbolisch verdichtet. Die hieraus entwickelte Konzeption, vier Opern riesenhaften Ausmaßes zyklisch zu verbinden (Wagner nennt es eine »Trilogie« mit einem »Vorspiel«), ergab sich erst allmählich aus der Einsicht, dass der ursprüngliche Entwurf »Siegfrieds Tod« (später »Götterdämmerung«) nur als Abschluss eines umgreifenden Geschehens mit allen seinen Voraussetzungen bis zum uranfänglichen Raub des Rheingoldes durch den Nibelungen Alberich dichterisch und musikalisch verständlich würde. So entstanden nach ersten Entwürfen aus dem Jahre 1848 zunächst bis Ende 1852 der gesamte Text, sodann die Komposition der Opern »Rheingold« (1853/54), »Walküre« (1854-56) und fast zweier Akte des »Siegfried« (1856/57), ehe die Arbeit nach langer Unterbrechung mit dem Schluss des »Siegfried« (1864-71) und der »Götterdämmerung« (1869-74) abgeschlossen wurde.
 
Während die Arbeit am »Ring« ruhte (seine schließliche Vollendung ist eng mit der Realisierung der Festspielidee verbunden, da vorher an eine adäquate Aufführung kaum zu denken war), schrieb Wagner zwei weitere Opern, die zwar den Prinzipien des Musikdramas ebenso folgen, sich jedoch stilistisch sowohl untereinander als auch von der Nibelungen-Trilogie deutlich unterscheiden. »Tristan und Isolde« (1859) ist ein in ungewöhnlichem Maße philosophisch und psychologisch inspiriertes Bühnenwerk. Frühromantische Vorstellungen einer Metaphysik der Nacht und des Todes - etwa im Sinne von Novalis' »Hymnen an die Nacht« (1800) - werden in ihm radikalisiert und in eigentümlicher Weise mit dem schopenhauerschen Grundgedanken der Verneinung des Willens zum Leben verbunden. Und auch dieser wird im Grunde umgedeutet zur Sehnsucht nach einer Zweisamkeit im Tode, nach einer von allem »Trug des Tages« befreiten Weltennacht der Liebe. Musikalisch ist »Tristan und Isolde« im Unterschied zum »Ring« durchgängig sinfonisch konzipiert. Statt aus deutlich abgrenzbarer Leitmotivik entwickelt sich der Orchestersatz als permanente Durchführung und unerschöpfliche Variation einer kompositorischen Uridee, die geprägt ist von totaler Chromatisierung und einer die Grenzen der Tonalität fast überschreitenden Alterationsharmonik, was bereits der Tristan-Akkord zu Anfang des Vorspiels exemplarisch zeigt.
 
»Die Meistersinger von Nürnberg« (1867) wirken demgegenüber plastischer, übersichtlicher, szenisch und musikalisch stärker gegliedert. Die Kunst des Übergangs, die feinnervige Orchestersprache der Tristan-Partitur fließt zwar als künstlerische Erfahrung ein, doch benutzt Wagner auch wieder geschlossenere Formgebilde (Preislied, Fliedermonolog), selbst Ensembles und Chöre, und stellt das ganze Werk auf eine tonal klarere, teilweise diatonisch flächige Harmonik. Die Handlung erwächst aus einer idealisierten Darstellung spätmittelalterlich-städtischen Bürgertums mit seiner zunftgebundenen, regulierten Kunstübung. Diese wird gewissermaßen von außen, durch den genialischen Ritter Walther von Stolzing, infrage gestellt und von innen her, durch den weltklugen Schuster und Poeten Hans Sachs, zu einer neuen künstlerischen Wahrhaftigkeit geführt. Stolzings schließlich errungene Singe-Meisterschaft, die Einbindung spontanen Schöpfertums in eine frei übernommene Kunstgesetzlichkeit, exemplifiziert Wagners eigene ästhetische Position. Zugleich vermittelt diese seine populärste Oper einen kräftigen Zug deutschnationalen Selbstgefühls, das der Gefahr einer Umdeutung im Sinne der Ideologie des Dritten Reichs allzu leicht erlag.
 
Eine letzte eindrucksvolle Stufe in Wagners musikdramatischem Schaffen bildet das Spätwerk »Parsifal« (1882), dessen sakrale Intention als »Bühnenweihfestspiel« und die ins Christliche gewendete Erlösungsidee allerdings von Anfang an - am schärfsten von Nietzsche - auch kritisiert wurden. Weihevolle Ruhe bildet die Grundtönung des Werkes, von der sich Verzweiflung und Leid, Sinnlichkeit und Sünde als erschütternde Kontraste abheben. Dem entspricht musikalisch die flächige Wirkung hymnischer Akkordik und weit gespannter melodischer Linien und, als Gegensatz hierzu, intensive Chromatik und Alterationsharmonik zur Darstellung des Heillosen und der Sehnsucht nach Erlösung. Aber auch die verführerische Sphäre Klingsors wird durch irisierende, chromatische Klanglichkeit symbolisiert, die Tristan-Reminiszenzen gewissermaßen ins Sinnlich-Abtrünnige verkehrt. Polyphone Durchzeichnung des Orchestersatzes und eine gelegentlich sehr herbe, funktional kaum noch deutbare Harmonik - u. a. auch in langen, verhaltenen rezitativartigen Partien - sind Merkmale eines Spätstils auch im Sinne der kompositorischen Entwicklung des 19. Jahrhunderts insgesamt. Ohne Beispiel in der Bühnenliteratur ist die doppelgesichtige Rolle der Büßerin und Verführerin Kundry, deren Gesangspart Extrembereiche vom Flüstern und Stammeln bis zum wilden Schrei berührt und dadurch nachhaltig auf spätere Opernkompositionen, z. B. bei R. Strauss (»Salome«, 1905) und A. Berg (»Wozzeck«, 1925), eingewirkt hat.
 
Werke: Bühnenwerke: Die Feen (1833-34, Uraufführung 1888); Das Liebesverbot (1835-36, Uraufführung 1836); Rienzi (1838-40, Uraufführung 1842); Der fliegende Holländer (1841, Uraufführung 1843); Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg (1842-45, Uraufführung 1845, Neufassung 1847, Neufassung für Paris 1860); Lohengrin (1845-48, Uraufführung 1850); Tristan und Isolde (1857-59, Uraufführung 1865); Die Meistersinger von Nürnberg (1861-67, Uraufführung 1868); Der Ring des Nibelungen: Das Rheingold (1853-54, Uraufführung 1869); Die Walküre (1854-56, Uraufführung 1870); Siegfried (1856-57, 1864-71, Uraufführung 1876); Götterdämmerung (1869-74, Uraufführung 1876); Parsifal (1877-82).
 
Oratorisches Werk: Das Liebesmahl der Apostel (1843).
 
Lieder: Fünf Gedichte (M. Wesendonck) für eine Frauenstimme (1858).
 
Orchesterwerke: Sinfonie C-Dur (1832); Eine Faust-Ouvertüre (1840, Zweitfassung 1855); Siegfried-Idyll (1870); Kaisermarsch (1871).
 
Schriften: Ein deutscher Musiker in Paris (1841); Die Wibelungen. Weltgeschichte aus der Sage (1848); Der Nibelungen-Mythos (1848); Die Kunst und die Revolution (1849); Das Kunstwerk der Zukunft (1850); Das Judentum in der Musik (1850); Oper und Drama (1851); Eine Mitteilung an meine Freunde (1851); »Zukunftsmusik« (1860); Über Staat und Religion (1864); Mein Leben (1865-80, Privatdruck in 4 Bänden, 1870-80); Deutsche Kunst und deutsche Politik (1868); Über das Dirigieren (1869); Beethoven (1870); Religion und Kunst (1880).
 
Ausgaben: Gesammelte Schriften und Dichtungen, 10 Bände (1887, Nachdruck 1976); Sämtliche Werke, herausgegeben von C. Dahlhaus, auf 54 Bände berechnet (1970 folgende); Dichtungen und Schriften, herausgegeben von D. Borchmeyer, 10 Bände (1983).
 
 
Briefe und biograph. Dokumente:
 
Briefe nach Zeitfolge u. Inhalt, hg. v. W. Altmann (1905, Nachdr. 1971);
 
R. W. u. Franz Liszt. Briefwechsel, hg. v. E. Kloss, 2 Tle. (31910);
 
Briefe. Die Slg. Burrell, hg. v. J. N. Burk (1953);
 
Sämtl. Briefe, hg. v. G. Strobel u. a., auf zahlr. Bde. ber. (1-21979 ff.);
 
Cosima Wagner. Die Tagebücher 1869-1883, hg. v. M. Gregor-Dellin u. a. 4 Bde. (Neuausg. 1982);
 
Mein Leben, hg. v. M. Gregor-Dellin: (Neuausg. 21989);
 
Franz Liszt u. R. W. Briefwechsel, hg. v. H. Kesting (1988).
 Biographien, Gesamtdarstellungen, Ikonographie:
 
C. F. von Glasenapp: Das Leben R. W.s, 6 Bde. (3-51905-12, Nachdr. Walluf 1977);
 C. von Westernhagen: R. W. Sein Werk, sein Wesen, seine Welt (Zürich 1956);
 C. von Westernhagen: W. (ebd. 21979);
 M. Gregor-Dellin: R. W. Sein Leben, sein Werk, sein Jh. (Neuausg. 1983);
 W. Beck: R. W. Neue Dokumente zur Biogr. (1988);
 H. J. Bauer: R. W. Sein Leben u. Wirken oder die Gefühlwerdung der Vernunft (1995);
 Hans Mayer: R. W. (1998).
 Werk und Wirkung:
 
P. Bekker: W., das Leben im Werke (1924);
 A. Lorenz: Das Geheimnis der Form bei R. W., 4 Bde. (1924-33, Nachdr. 1966);
 H. Kirchmeyer: Das zeitgenöss. W.-Bild, auf mehrere Bde. ber. (1967 ff.);
 
Das Drama R. W.s als musikal. Kunstwerk, hg. v. C. Dahlhaus (1970);
 
R. W., Werk u. Wirkung, hg. v. C. Dahlhaus: (1971);
 C. von Westernhagen: Die Entstehung des »Ring« (1973);
 K. Kropfinger: W. u. Beethoven (1975);
 E. Voss: R. W. u. die Instrumentalmusik (1977);
 R. Donington: R. W.s »Ring des Nibelungen« u. seine Symbole (a. d. Engl., 21978);
 T. W. Adorno: Versuch über W. (Neuausg. 21981);
 D. Borchmeyer: Das Theater R. W.s (1982);
 P. Wapnewski: Der traurige Gott. R. W. in seinen Helden (Neuausg. 1982);
 E. Bloch: Geist der Utopie (31983);
 M. Gregor-Dellin u. M. von Soden: R. W. Leben, Werk, Wirkung (1983);
 T. Mann: W. u. seine Zeit (Neuausg.1983);
 
R. W. Das Betroffensein der Nachwelt. Beitrr. zur Wirkungsgesch., hg. v. D. Mack (1984);
 J. Deathridge u. a.: W. Werk-Verz. (1986);
 F. Nietzsche: R. W. in Bayreuth (Neuausg. 1986);
 F. Nietzsche: Der Fall W. (Neuausg. 1988);
 
R.-W.-Hb., hg. v. Ulrich Müller u. a. (1986);
 H.-J. Bauer: R.-W.-Lex. (1988);
 C. Dahlhaus: R. W.s Musikdramen (Neuausg. 1988);
 
In den Trümmern der eigenen Welt. R. W.s »Der Ring des Nibelungen«, hg. v. U. Bermbach (1989);
 M. A. Weiner: R. W. and the anti-semitic imagination (Lincoln, Nebr., 1995);
 
Das W.-Kompendium. Sein Leben - seine Musik, hg. v. B. Millington (a. d. Engl., 1996);
 J. Köhler: W.s Hitler. Der Prophet u. sein Vollstrecker (21997);
 G. Wagner: Wer nicht mit dem Wolf heult. Autobiograph. Aufzeichnungen eines W.-Urenkels (1997);
 N. Wagner: W. Theater (1998).
 
 17) Richard, Mediziner, * Augsburg 23. 10. 1893, ✝ München 19. 12. 1970; Professor in Graz (1929-32), Erlangen, Breslau (1934-38), Innsbruck und München (ab 1941); Arbeiten besonders zur Physiologie des Kreislaufs, über Muskelkoordination und biologische Regelmechanismen (»Probleme und Beispiele biologischer Regelung«, 1954).
 
 18) Richard, rumäniendeutscher Schriftsteller, * Lowrin (bei Temesvar) 10. 4. 1952; war zunächst Lehrer und Journalist, danach freier Schriftsteller. Wagner leitete ab 1972 die »Aktionsgruppe Banat«, eine literarische Vereinigung rumäniendeutscher Autoren, die 1975 von staatlicher Seite zerschlagen wurde. 1987 siedelte er zusammen mit seiner Frau, der Schriftstellerin Herta Müller, in die Bundesrepublik Deutschland über.
 
Werke: Gedichte: Klartext (1973); Die Invasion der Uhren (1977); Hotel California, 2 Bände (1980-81); Rostregen (1986); Heiße Maroni (1993).
 
Romane: In der Hand der Frauen (1995); Lisas geheimes Buch. Roman (1996).
 
Prosa: Der Anfang einer Geschichte (1980); Ausreiseantrag (1988); Begrüßungsgeld (1989); Die Muren von Wien (1990); Der Himmel von New York im Museum von Amsterdam (1992); Giancarlos Koffer (1993).
 
Kinderbuch: Anna und die Uhren (1981).
 
 19) Robert Ferdinand, amerikanischer Politiker deutscher Herkunft, * Nastätten 8. 6. 1877, ✝ New York 4. 5. 1953; wanderte 1885 mit seinen Eltern in die USA ein; war ab 1900 als Rechtsanwalt tätig, schloss sich bald der Demokratischen Partei an. 1904-08 war er Abgeordneter, 1909-18 Senator im Staat New York, wo er sich besonders in der Sozialgesetzgebung engagierte, und 1919-26 Richter am Supreme Court von New York. 1926 wurde er in den amerikanischen Senat gewählt, wo er bis 1949 tätig war. Dort wirkte er maßgeblich an der Umsetzung von Präsident F. D. Roosevelts New Deal mit; er brachte zahlreiche Sozial-Gesetze ein, u. a. den nach ihm benannten Wagner Act (National Labor Relations Act, 1935), der den Status der amerikanischen Gewerkschaften definierte und eine Bundesbehörde zum Schutz gewerkschaftlicher Betriebsorganisation schuf, und den Social Security Act (1935, Social Security System).
 
 
J. J. Huthmacher: Senator R. F. W. and the rise of urban liberalism (New York 1968).
 
 20) Siegfried Helferich Richard, Komponist, Dirigent und Regisseur, * Tribschen (heute zu Luzern) 6. 6. 1869, ✝ Bayreuth 4. 8. 1930, Sohn von 3) und 16), Vater von 22) und 24); Schüler von E. Humperdinck, war ab 1896 Mitdirigent und v. a. Regisseur der Bayreuther Festspiele, deren künstlerische Oberleitung er 1906 übernahm. 1915 heiratete er Winifred Williams. Als Komponist folgte Wagner seinem Lehrer Humperdinck mit 13 Opern bewusst volkstümlicher Art, zu denen er auch die Texte verfasste, u. a. »Der Bärenhäuter« (1899), »An allem ist Hütchen schuld« (1917), »Der Friedensengel« (1926); ferner Orchesterwerke, Kammermusik, Chöre und Lieder.
 
 
P. P. Pachl: S. W.s musikdramat. Schaffen (1979);
 M. Kiesel: Studien zur Instrumentalmusik S. W.s (1994);
 L. Gunter-Kornagel: Weltbild in S. W.s Opern (1998).
 
 21) Sieglinde, österreichische Sängerin (Alt), * Linz 21. 4. 1921; sang 1947-52 an der Wiener Staatsoper, gehörte dann der Städtischen (später Deutsche) Oper Berlin an. Gastspiele führten sie u. a. an die Mailänder Scala und an die Opernhäuser von Rom und Barcelona sowie zu den Salzburger Festspielen.
 
 22) Wieland Adolf Gottfried, Regisseur und Bühnenbildner, * Bayreuth 5. 1. 1917, ✝ München 17. 10. 1966, Sohn von 20) und 23); übernahm 1951 zusammen mit seinem Bruder Wolfgang die künstlerische Leitung der Bayreuther Festspiele. Er schuf einen neuen Inszenierungsstil für die Werke Richard Wagners, indem er die Bühne von allem Überflüssigen »entrümpelte« und durch Abstraktion das Symbolhafte betonte. Außerhalb Bayreuths inszenierte er neben den Werken Richard Wagners Opern von C. W. Gluck, L. van Beethoven, G. Bizet, G. Verdi, R. Strauss, A. Berg und C. Orff. Er gab das Werk »Richard Wagner und das neue Bayreuth« (1962) heraus.
 
 23) Winifred, geboren Williams ['wɪljəmz], Festspielleiterin, * Hastings 23. 6. 1897, ✝ Überlingen 5. 3. 1980, Adoptivtochter von K. Klindworth, ab 1915 Ȋ mit 20), Mutter von 22) und 24); übernahm nach dem Tod ihres Mannes 1930 die Leitung der Bayreuther Festspiele (1931-44). Unter Wagner, die mit Hitler eng befreundet war, wurden die Festspiele ein Teil des nationalsozialistischen Kultes. 1949 verzichtete sie zugunsten ihrer Söhne auf jede Mitwirkung bei den Festspielen.
 
 24) Wolfgang Manfred Martin, Regisseur und Bühnenbildner, * Bayreuth 30. 8. 1919, Sohn von 20) und 23); übernahm zusammen mit seinem Bruder Wieland 1951 die Leitung der Bayreuther Festspiele und wurde nach dessen Tod 1966 alleiniger Leiter. Er widmete sich anfangs mehr organisatorischen Aufgaben, trat ab 1953 zunehmend als Regisseur hervor und gab auch anderen Regisseuren (G. Friedrich, P. Chéreau, H. Kupfer) Gelegenheit, neuartige Inszenierungen in Bayreuth zu erproben.

* * *

Wag|ner, der; -s, - [mhd. wagener, ahd. waginari, zu ↑Wagen] (südd., österr., schweiz.): Stellmacher.

Universal-Lexikon. 2012.

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